WOYO (Buchrezension)

Ich bewarb mich um diese Buchrezension, da ich gerne in meinen Kursen einen Gurt zu Hilfe nehme und mich für neue Übungen interessierte. In dieser Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht. Im ersten Übungteil „Sanfter Einstieg“ gibt es verschiedenste interessante Vorübungen – von der Dehnung der Beinrück,- außen- und  -innenseiten sowie der Beinstrecker und -beuger, über Füße und Becken bis hin zu Rumpf, Rücken, Schultern und Armen. Auch die Schulterbrücke findet schon in diesem Kapitel Platz: einmal wird der Gurt um die Oberschenkel gebunden – das hilft gegen das Nach-außen-Fallen der Knie, einmal wird der Gurt bei den Unterarmen platziert, die seitlich abgelegt bleiben und gegen den Gurt drücken – eine effiziente Möglichkeit, die Schultern noch besser in die Matte zu drücken und den Brustkorb aufzudehnen. Alle Übungen sind sehr exakt angeleitet, in kleinen Kästchen werden weitere allgemeine Zusatzinformationen gegeben, beispielsweise über die richtige Atmung oder die Bedeutung des Nachspürens.

Im zweiten Übungsteil werden Asanas mit Hilfe des Gurtes erklärt. So sanft der Einstieg war, so schwierig wird es jetzt. Da das Buch ja als der leichteste Einstieg in den Yoga verkauft wird, hätte ich mir anderes erwartet. Zwar wird eingangs immer erklärt, welche vorbereitenden Übungen ratsam sind. Trotzdem, den Einstieg mit den Krieger- bzw. Heldenpositionen zu versuchen, verlangt schon sehr viel Gewahrsam in der Beinausrichtung – da wäre es doch leichter Läufer-Varianten zu üben. Statt der Heuschrecke würde ich auch eine leichtere Rückbeuge probieren. Und ich würde einem/r AnfängerIn schon den Tipp geben, den Drehsitz auch mal mit einem ausgestreckten Beinen zu probieren.

Vielleicht erklärt sich der Schwierigkeitsgrad der Asanas damit, dass die Autorin leitend in einem Fitnessunternehmen tätig war. In dem Kästchen „Vinyasa – lassen Sie die Energie fließen“ bezieht sie sich dann auch auf Asthanga Yoga, den sie als einen der ältesten Hatha-Yoga-Systeme bezeichnet. Ich verstehe nicht ganz. Der Text suggeriert, es handle sich dabei um eine Jahrtausende alte Technik und nicht um das System, das Sri K. Pattabhi von seinem Guru Krishnamacharya ab 1927 erlernte. Auch an anderer Stelle wäre etwas mehr Geschichtsbewusstsein angebracht: Wenn über die Autorin geschrieben wird, sie übe bereits seit 1990 (!) Yoga und war überzeugt, dass dieser bald die westliche Welt erobern würde. Und sie entwickelt daher Woyo, auch weil es damals noch wenige gut ausgebildete YogalehrerInnen mit fundiertem Wissen gab. Also, den in Berlin gegründetet BDY gibt es immerhin seit 1967. Man kann doch nicht nur auf die letzten Jahre des Mega-Yoga-Hype schauen und alles davor nicht gelten lassen!

Wie alle GU-Produkte ist auch dieses Buch gut strukturiert und man hat das Gefühl, umfassend bedient zu sein: Aus den Asanas werden dann 2 Flows aufgebaut, einer für Stützhaltungen, ein zweiter für Stehhaltungen. Diese werden dann mit den Vorübungen und abschließender Entspannung zu 5 verschiedenen Programmen kombiniert, die von Beweglichkeit über Verdauungssteuerung bis hin zu Stressreduktion alles versprechen, was man sich nur wünschen kann. Man muss sich nur noch entscheiden, was jetzt wichtiger ist – Hormone oder Haltung, Beweglichkeit oder Energie? Abgesehen von meiner Entscheidungsschwäche diesbezüglich finde ich es doch ein bisschen mühsam die Asanas dauernd mit Gurt zu üben, selbst wenn es vorstellbar ist, eine gewissen Fertigkeit im Umgurten zu entwickeln.

Aufpassen: Beim Ausprobieren der Stehhaltungen wurde mir übrigens klar, dass der Woyo-Gurt, den man zusammen mit dem Buch erwirbt, länger als meine Bausinger-Gurt ist, nämlich um die 2,50m, während mein Gurt nur 1,85m lang ist und für die Heldenpositionen zu kurz.

Erfreulich ist, dass der Entspannung zum Schluss auch noch eine Doppelseite gewidmet wird, allerdings kommt es zu einer sehr verwaschenen Abgrenzung von Entspannung und Meditation. „Stilles Sitzen – Meditation“ wird im Kapitel „Entspannen und Loslassen“ eingeordnet. Wird Entspannung zu Meditation, bloß weil man sitzt? Aber immerhin kann man hier wieder ein Hilfsmittel einsetzen: das hübsche Model in modischer lila Workout-Kleidung hat ein passendes Tuch um die Augen gebunden. Kein Gurt aber immerhin ein Tuch, da sich laut AutorInnen die Wirkung der Meditation erhöht, wenn man mit geschlossenen bzw. verbundenen Augen übt.

Tipp:

WOYO, Der leichteste Einstieg in den Yoga, Von Sonja Söder und Peter Schlösser GU-Verlag, 2009, Euro 12,90, ISBN 978-3-8338-1527-0

Rezensiert von Alexandra Eichenauer-Knoll, erschienen in der Mitgliederzeitung von Yoga Austria-BYO

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