Erfahrungen richtig verdauen – learn to play by heart

klavier.haende

Letzten Montag war in der Radiosendung Ö1 bis zwei das Thema „Bach zum Überwintern“ angesagt. Johann Sebastian Bach gilt ja als ein Komponist heilsamer Musik. Es liegt nahe, dass seine Musik auch in der dunkelsten Jahreszeit unser Gemüt zu erhellen versteht. Die „CD des Tages“ war der niederländischen Geigerin Janine Jansen und ihrer neuesten Einspielung „Bach Concertos“ gewidmet.

Gegen Ende erzählte die Moderatorin Mirjam Jessa über die von der Künstlerin offen und freimütig mit ihrem Publikum geteilte Auseinandersetzung mit Erschöpfung und Burnout. Zitat: „Ich hatte den Eindruck mit voller Geschwindigkeit gegen eine Wand zu laufen.“ Janine Jansen spielte damals an die 120 Konzerte im Jahr. Und dann folgte der Satz, der mich bis heute beschäftigt: „Man muss immer noch fähig sein die eigenen Erfahrungen zu verdauen.“ Auch ein interessantes, vielseitiges Künstlerleben einer so talentierten und strahlenden Künstlerin kann also in ein „Hamsterrad“ mutieren. Die Gründe können vielseitig sein, Janine Jansen sprach aber nicht von Stress oder Terminproblemen, sondern davon, die vielen Erlebnisse einfach nicht mehr verdauen zu können.

Ö1 bis zwei ist eine phantastische Sendung. Ausgestrahlt um die Mittagszeit, bringt sie gemischte Kost, Klassik vermischt mit Jazz, serviert mit Moderationen, die zum Nachdenken anregen – also zur Verdauung persönlicher Erfahrungen, wenn man so will.

Beim Nachsinnen über das „Verdauen von Erfahrungen“ wurde mir bewusst, warum Yoga u.a. auch so gut wirkt. Weil gerade eben dem Verdauen von Erfahrungen Zeit und Raum gegeben wird.

Übung 1: Nachspüren, um Erfahrungen zu verstehen.
Yoga ist eine Erfahrungswissenschaft. Darum ist es wichtig, die eigenen Erfahrungen bewusst zu reflektieren. Wir fragen uns also immer wieder: wie hat die Übung gewirkt, was hat sich verändert, wie fühlt sich der gedehnte Körperteil an – vielleicht befreiter oder länger? Nur so können wir erkennen, was uns gut tut und was nicht. Wir lernen zu reflektieren und infolge auch bewusster Grenzen zu setzen – beim Üben von Yoga und auch im Alltag – z.B. indem wir uns rechtzeitig eine Pause gönnen oder indem wir uns entschlossener von „Energieräubern“ abgrenzen.

Übung 2: Wiederholen, um Erfahrungen zu verinnerlichen.
Eine weitere Verdauungsübung ist die Wiederholung, also das Üben von gleichen oder ähnlichen Abfolgen, Tag für Tag. Disziplin (tapas), die sich ausdrückt in regelmäßigem Üben, zählt zu den zentralen Anforderung für Yoginis. Nur so kann sich Geschmeidigkeit, aber auch Vertiefung entwickeln. Die Übung ist dabei letztlich nie wirklich gleich, hängt ihre Qualität doch auch von unserer Tages- und Körperverfassung ab, von der Art wie wir den Atem lenken, die Übung vorbereiten und vielem mehr. Wiederholungen haben also nichts mit gelangweiltem Wiederkäuen oder gedankenlosem „Runterratschen“ gemein, sondern sind vielmehr ein learning by heart, ein Weg um die Übung mit ganzem Herzen zu verinnerlichen und die Gedanken entspannen zu können.

Jetzt fällt mir wieder Bach ein und seine weltberühmten Goldberg-Variationen, die ja in der Tat als therapeutische Musik komponiert worden waren und zwar für den an „Insomnia“ (Schlaflosigkeit) leidenden Hermann Carl Reichsgraf von Keyserlingk. Goldberg, ein talentierter Schüler Bachs wurde – jederzeit spielbereit – in einem Nebenzimmer des ruhelosen russischen Gesandten einquartiert. Auch wenn die Geschichte von Experten immer wieder angezweifelt wird, ich möchte sie gerne glauben.

Die Goldberg-Variationen sind wunderbare Musik – zum Zuhören wie auch zum Spielen. Ich übe sie gerne, dilettantisch, langsam und mit nicht ganz korrektem Fingersatz. Es sind die einzigen Stücke, die ich mir vorgenommen habe in meinem Leben auswendig zu lernen. Es ist auch dieser Prozess des Auswendig-Lernens, der mich fasziniert. Immer wieder ein paar Takte dazu zu lernen, wie eine Delikatesse, und diese dann wiederholen – so lange, bis die Finger die Musik zuverlässiger gespeichert haben als die Gedanken und ich zunehmend befreit lauschen darf – im Vertrauen darauf, dass die Finger alles richtig machen, sofern sie nur den Anweisungen des Herzens folgen.

Die Wiederholung, das Wiederkäuen, wird hier zu einer meditativen Handlung, wie es ja auch im Yoga passiert. Wehe allerdings, es schaltet sich unvermutet ein Gedanke dazwischen, dann werde ich – irritiert und verloren – aus dem Paradies geworfen. Um unverdrossen aufs Neue das Experiment zu wagen! Musik auswendig spielen zu lernen ist eine wunderbare Übung im sich vertrauensvoll einlassen können – learn to play by heart!

Musiktipp: www.janinejansen.com

Ausatmen in savasana

Heute wurde die neue Mitgliederzeitung von Yoga Austria-BYO mit dem Schwerpunkt-Thema: „Yoga und spirituelle Sterbebegleitung“ verschickt. Es gibt darin sehr interessante Artikel zum Thema, u.a. von Nura Kissener mit der Headline „Sterben kann man lernen“. Heute nachmittag in dieser Novemberstimmung ist es mir wieder eingefallen, wie mich der Artikel während der Produktion der Zeitung berührt hatte. Ich dachte an meine Mutter und wie sie das Loslassen geübt hatte: „Lass mich noch ein bisschen ausatmen“, sagte sie mir einmal in der Früh, als ich sie zum Aufstehen bewegen wollte.

Sie hatte es lange geübt und auch genossen – das Ausatmen in savasana. Und irgendwann war es dann wirklich so weit. Ich war sehr stolz auf sie und wie sie durch´s Ziel gegangen war. Es war ihr letztes großes Geschenk an mich – mir zu zeigen wie man gehen kann, entspannt, friedlich und in Liebe.

freidhof

Yoga und Tönen – erste Ernte und viele Früchte zum Nachreifen!

Dieses Wochenende hatte ich Gelegenheit meine Entwicklungen zum Thema Yoga und Tönen (bzw. Singen) im Rahmen einer Weiterbildungsveranstaltung von Yoga Austria – BYO anderen Yogakolleginnen nahe zu bringen. Spannend, habe ich doch dieses Thema über Jahre mit mir herumgetragen, durchaus mit anderen im Rahmen meiner Kurse geteilt, und nun konnte ich es erstmals in der Hauptstadt einem Fachpublikum präsentieren. Ja, es war aufregend und es ist gut gegangen – das Thema und meine individuelle Herangehensweise stoßen auf Interesse. Ich möchte dranbleiben und auch mein Hirtion weiter dafür einsetzen.

Allerdings musste ich zur Kenntnis nehmen, dass es für die Teilnehmerinnen anstrengender war, als ich erwartetet hatte, ich habe viel gestrichen und wesentlich mehr Entspannungs- und Stillezeiten eingebaut als geplant. Eine Frage war wieviel Tönen ich normalerweise in einem Kurs einbaue. Die Frage hatte mich ein bissl überrascht, war aber durchaus berechtigt. Denn das Singen pusht die Energie: das ist bei 90 Minuten angenehm und belebend, im Rahmen eines 2-Tage-Seminars kann es aber rasch zu viel werden. Die Dosierung ist also ein wichtiges Thema und die Frage, wie man die Restzeit im Rahmen eines Seminars gestalten könnte: am besten schweigen und meditieren oder schweigen und gehen oder schweigen und schreiben…

Yoga und Tönen – das Thema wird mich weiter begleiten, eine erste Ernte ist eingefahren, viele Früchte werde ich aber jetzt mal zum Nachreifen in die Sonne legen. Wie alles, das wirklich gut werden soll, braucht auch dieses Thema nicht nur Leidenschaft und Engagement, sondern auch Zeit und Geduld!

 

ernten+nachreifen

 

Hier gibt´s was zu gewinnen!!!

Liebe Leute – herschaun – hier gibt´s was zu gewinnen!!!
Interessant für alle, die sich für Yoga interessieren: Polyfilm verlost anlässlich des Filmstarts von SADHU in Kooperation mit Yoga Austria – BYO als ersten Preis eine Weiterbildungsveranstaltung von Yoga-Austria.
Den Folder zum Download gibt es hier.
sadhu_Gewinnspiel.indd
Mehr Infos zum Film auch unter:
http://www.sadhu-lefilm.com/?lang=de
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